Ablehnung Arbeitsmarktzulassung, Anhörung

Hallo liebe Mitglieder. Der folgende Fall betrifft meinen Partner aus Südkorea (26, mit Bachelorabschluss). Er ist wegen mir hier in Deutschland, wir führen seit 4 Jahren eine Beziehung.

Kurze Beschreibung des Falls: Mein Freund ist seit März 2019 nach Deutschland gekommen. Zunächst ein Jahr mit einem Working Holiday Visum, dann hat er eine Arbeitserlaubnis erhalten, um Februar 2020 bei einem Arbeitgeber in Hamburg zu arbeiten. Da wurde er im Juni gekündigt und seit dem besitzt er eine Fiktionsbescheinigung, da seine vorherige Aufenthaltserlaubnis an diesen Arbeitgeber gebunden war. Er hat im Juli dann eine Vollzeitstelle bekommen (ca 1800 brutto als Verkäufer) und eine Arbeitserlaubnis und Aufenthaltserlaubnis beantragt. Es kam ein Bescheid, dass diese abgelehnt werden sollten, da die Arbeitsbedingungen angeblich schlechter sind, als die für inländische Arbeitnehmer, da der ortsübliche Lohn für diese Tätigkeit angeblich horrende 2300 Brutto beträgt. Nach einigen Recherchen haben wir viele Jobs gefunden die genau den gleichen Lohn bieten oder sogar weniger. Auch habe ich einen Durchschnitt gefunden der besagt, dass das Durchschnittsgehalt für diesen Job in Hamburg circa 1600 Brutto ist. (Sein Job wäre als Verkäufer in der Modebranche, im Vergleich zu anderen Geschäften würde er anfangs sogar mehr verdienen.)
Wir durften zu dieser beabsichtigten Ablehnung einer Äußerung schreiben, welches wir getan haben und all die Rechercheinfos gepackt haben. Zusätzlich hat sein Arbeitgeber ein Schreiben aufgesetzt und erklärt, dass alle Arbeitnehmer bei ihnen mit dem gleichen Lohn anfangen (inländische und ausländische Mitarbeiter).
Dies ist bereits zwei Wochen her. Die Ausländerbehörde hat uns heute per Telefon gesagt, dass diese Anhörung sehr lange dauern kann. Der Job meines Freundes wäre bereits am 11.08. angefangen und jetzt wartet er, sowie sein Arbeitgeber, auf die Rückmeldung (die erste Anfrage für alle Bescheinigung haben wir bereits 1,5 Monate her geschickt). Ich habe Angst, dass das Ganze zu lange dauern wird und der Arbeitgeber nicht so lange warten wird. Oder das das Ganze trotz unserer Äußerung schlussendlich abgelehnt wird und er ausreisen muss. Wir haben eine gemeinsame Wohnung, Freunde hier und ich möchte nicht, dass er ausreisen muss. :frowning:

Könnt ihr uns weiterhelfen und sagen was wir jetzt tun könnten könnten?
Sollen wir einen Rechtsanwalt einschalten oder gibt es auch andere Möglichkeiten?

|ch bitte um eure Hilfe!

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Hallo Korinna,

danke für deine detaillierte Anfrage.
Um euch an die richtigen Ansprechpartner/-innen zu verweisen brauchen wir trotzdem noch ein paar Zusätzliche Informationen:

  • Haben wir es richtig verstanden, dass die Entscheidung der Ausländerbehörde noch aussteht, sie aber zu einem negativen Entscheid tendieren?
  • Geht es hierbei um die Ausländerbehörde in Hamburg oder in Sachsen-Anhalt?
  • Ist die angebotene Arbeitsstelle in Hamburg oder in Sachsen-Anhalt?
  • Wann würde das Aufenthaltsrecht ablaufen?
  • Hat dein Partner den BA in Deutschland gemacht? Wenn nicht, hat er diesen schon anerkennen lassen?
  • Hat dein Partner Deutschkenntnisse und wenn ja auf welchem (bescheinigten) Niveau?

Vorweg: Rechtlicher Beistand, kann in solchen Situationen sehr hilfreich sein. Einige Anwalt/-innen bieten auch kostenlose Erstgespräche an.
Es ist aber unbedingt darauf zu achten eine/-n mit Ausländerrecht versierte/-n Rechtsanwalt/-in aufsuchen.

Hallo Anissa,

danke für deine Antwort!

Genau, in dem Brief stand: Beabsichtigen der Ablehnung und das dies noch kein entgueltiger Bescheid ist. Jedoch hat mir die Agentur für Arbeit heute auf Nachfrage gesagt, dass die Anfrage zur Arbeitserlaubnis abgelehnt wurde (bereits am 22.07. - am 24.07 haben wir dann diesen Brief bekommen mit der Beabsichtigung der Ablehnung). Die Rechtsgrundlage dafür ist übrigens Paragraph 39 Abs. 3 Nr. 1 AufenthG, falls die Info hilft.

Es geht um die Auslaenderbehoerde in Hamburg und auch die Arbeitsstelle ist in Hamburg.

Derzeit hat er eine Fiktionsbescheinigung bis zum 30.09.2020.

Nein, er hat seinen Abschluss in B.Sc. Management mit Marketing von der Royal Holloway Universität aus London in 2018 bekommen und wir haben diesen noch nicht anerkennen lassen. Ist dies nötig wenn der Abschluss aus der EU/England ist?

Leider noch auf keinen bescheinigten Niveau, sonst aber A1 Level. Er möchte gerne an einem Sprachkurs teilnehmen, aber damit warten wir jetzt ab, falls wir einen Anwalt dazustehen (wegen den Kosten). Er lernt aber privat zuhause Deutsch.

Ich bedanke mich für deine Hilfe!:slight_smile:

Rufen Sie mich unter 0391/4080510 an. Ich kann Ihnen einen Tipp geben.
Nguyen Tien Duc

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Hallo Korinna,

am besten ist es in eurem Fall mit dem IQ-Netzwerk Hamburg Kontakt aufzunehmen. Dort gibt es lokale Beratungsstellen zu arbeitsrechtlichen Fragestellungen und
Hilfe zur Anerkennung der Abschlüsse
. Mit einem anerkannten (Studien-) Abschluss kann er im Rahmen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes hier in Deutschland eine Arbeit suchen.
Das IQ-Netzwerk ist deutschlandweit ein qualifizierter Ansprechpartner.
Da ZEMIGRA nur in Sachsen-Anhalt agiert, kann ich leider nicht direkt an Personen in Hamburg verweisen. Zumindest aber an unsere Kollegen aus dem IQ-Netzwerk hier vor Ort. Ich sehe auch gerade, dass Herr Duc (@Duc_IQ) bereits eine Antwort gesendet hat.

Weiter gibt es noch die Möglichkeit, da dein Partner einen britischen BA hat, sich an einer Uni einzuschreiben. Je nach Studiengang braucht er allerdings C1 Deutschkenntnisse, wenn es sich um einen deutschen Studiengang handelt und die Bewerbungsfristen für das Wintersemester 2020/21 sind in einigen Bundesländern bereits ausgelaufen.
Trotzdem ist es aber ein Weg der langfristig gute Bleibeperspektiven ermöglichen kann.
Bei einem Studium hat er zudem die Möglichkeit Bafög zu beantragen. Es würde also durchaus Sinn machen zu Prüfen, ob eine Einschreibung in ein Studienfach, das auf englischer Sprache unterrichtet wird, irgendwo in Deutschland noch möglich ist.

Viele Grüße
A. Helm

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